(E-) Rollin‘ home… E-Roller erobern Hamburg.

Da sind sie also: Die schon im Vorfeld wild diskutierten E-Roller. Vielfach gepriesen als DIE Alternative für „die letzte Meile“ (das letzte Teilstück z.B. von der U-Bahn zum Büro). Und natürlich ein weiterer Schritt auf dem Weg zu umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln. Aktuelle Einschätzung: Das klappt bisher Beides nicht. Aber der Reihe nach.

Vorab: Was Ihr über die neuen E-Scooter wissen müsst lest Ihr HIER.

Zahlreiche E-Roller-Anbieter machen inzwischen mit: Aktuell bieten die Firmen Tier (grüne Roller), Voi (rot), Lime (weiß) und Circ (orange) Fahrzeuge an (insgesamt 2.200 E-Roller in Hamburg; Stand Juli 2019); das Hamburger Start-up Floatility, die US-Firma Bird sowie FreeNow stehen in den Startlöchern.

(Bildmitte: Nach des Lotsen Probefahrt wurde natürlich noch akkurat umgeparkt – was nicht jede/r tut)

 

Als innovativ und umweltfreundlich angepriesen sind die Medien nun voll mit Berichten darüber, dass es sich bei den E-Rollern eher um luxuriöse Wegwerfartikel handelt: Lebensdauer laut unterschiedlicher Herstellerangaben: 3 – 8 Monate. Wenn überhaupt… Denn die Roller werden alles andere als pfleglich behandelt; oft genug sieht man die Geräte in Büschen liegen oder mit Überlast kämpfen: für 2 – 3 Passagiere sind die Dinger nicht gemacht, aber es kontrolliert ja kaum jemand.

Energiesparend? Möglich, wenn die Dinger solarbetrieben wären. Sind Sie aber nicht. Die E-Roller werden (bei Hersteller Lime von sog. „Juicern“; HIER mehr dazu) nachts eingesammelt, aufgeladen und neu verteilt. Der Gedanke an Diesel-Transporter drängt sich fast auf, die in Hamburg zum Einsammeln der E-Roller unterwegs sind und das Umweltkonzept ad absurdum führen.

Nutzung für „die letzte Meile“? Auch hier kann man geteilter Meinung über den Sinn dessen sein. Denn E-Roller ersetzen kein anderes Verkehrsmittel, sie sind ein weiteres Verkehrsmittel auf der Straße, auf Rad- und Fußwegen. Letzteres ist natürlich nicht gestattet, aber von den bisher gesichteten E-Rollern sah ich 75% auf dem Fußweg. Der E-Roller ersetzt kein anderes Verkehrsmittel – er teilt sich bestehende Verkehrswege. Eskalationen also vorprogrammiert, denn wo bisher schon Fußgänger und Radfahrer aneinander gerieten kommen nun noch E-Roller-Fahrer hinzu.

(Zu zweit (mit Kind) auf dem Fußweg in der HafenCity unterwegs. Ohne Zweifel ein Depp…)

Sind E-Roller also Umweltverschmutzung und unnötig/unsinnig? Nein, generell ne schöne Idee. Würde halt mit Respekt besser funktionieren. Die Strafen bei … nennen wir es „Fehlnutzung“ müssen weh tun. Das gilt allerdings generell für den bundesdeutschen Bußgeldkatalog (ich sag nur „Knöllchen in Abhängigkeit vom Hubraum); aber das ist ne andere Geschichte für ne andere Gelegenheit.

Während der Fahrt sind die kleinen Versicherungskennzeichen an den E-Rollern übrigens kaum lesbar; Ahndung wird also schwierig. Aber vielleicht wenigsten, wenn die Dinger geparkt/abgestellt sind?! Viele Nutzer stellen die Roller ab, wo gerade Platz ist: Mitten auf Gehwegen, Radwegen, in Hauseingängen, über Brückengeländer gehängt. Die Mobilität des Einen bremst den Heimweg des Anderen – Rollifahrer, Senioren, Eltern mit Kinderwagen.

E-Roller werden spätestens dann nützlich und wichtig, wenn innerstädtische Bereiche für den Individualverkehr gesperrt werden (Mönckebergstraße, Bereich Altona/Ottensen, Bereich Jungfernstieg, …). Solange E-Roller nur ein weiteres Verkehrsmittel sind werden sich Eskalationen nicht vermeiden lassen. Klar, mit etwas mehr Respekt ginge es auch. Aber… Autofahrer pöbeln über Radfahrer, Fußgänger über Radfahrer, Radfahrer über Fahrradkuriere, Fahrradkuriere über DHL-Parker auf Radwegen, Autofahrer über DHL-Parker in zweiter Reihe, alle (außer Radfahrern) über Radfahrer in der Fußgängerzone usw. Aber alle wollen nur eben was abholen, nur kurz hier durch, nur nen Moment warten, nur jemanden abholen und generell: Es stört doch niemanden. Doch. Tut es. Und jetzt geht´s rund; Füße hoch – die E-Roller kommen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Nein, wir wollen uns nicht einer neuen Entwicklung in den Weg stellen. Aber wenn mit jedem neuen Konzept auf den Straßen (und Fußwegen) der Respekt verloren geht – dann gute Nacht. Schon wenige Wochen nach dem Start gab es diverse Unfälle; auf St. Pauli werden E-Roller (nicht nur am Wochenende) als Verkehrsmittel zwischen den Locations genutzt. Die sogenannte Durststrecke wird hier von An- bis Betrunkenen via E-Roller auf dem Fußweg zurückgelegt.

E-Roller machen Spaß und können nützlich sein. Was fehlt ist die Wertschätzung und der Respekt – und dafür können die Roller nichts. Wir empfehlen drastische Ahndung bei Fehlverhalten (inkl. PKW-Führerschein weg) – und die Freigabe, die Spackos, die sich so witzig finden, vom Roller treten zu dürfen…

 

Habt Ihr bereits Erfahrungen gemacht? Positive? Negative? Eine Initiative ruft dazu auf, sich mit Beschwerden an den 1. Bürgermeister/die Senatskanzlei zu wenden: Peter.tschentscher@sk.hamburg.de. Alternativ: Schreibt uns gern (Kontakt); schickt uns auch gern Fotos von Extremparkern; wir nehmen gern ein paar Beispiele in die Galerie auf. 

 

Edit: Eine Empfehlenswerte Zusammenfassung haben wir in der WELT gefunden. (HIER geht’s zum Artikel).

Schreibe einen Kommentar